Startup der Woche 27

Startup der Woche 27

01.07.2019 - 07.07.2019

Solarworx

Gründung 2018

SolarWorX ist der erste Hardwareanbieter für den globalen Off-Grid-Markt, der wirklich modulare, erschwingliche und skalierbare Energielösungen für ländliche Haushalte und Unternehmen anbietet.

Einleitung

Führt man in Deutschland einen politischen Diskurs über die Stromversorgung, fallen häufig Buzzwords wie "erneuerbare Energien", "smart grid" oder "Speichersysteme". Diese Begriffe sind von technologischem Fortschritt geprägt, denn ist bereits ein Stromnetz aufgebaut und etabliert, folgen Weiterentwicklungen und Optimierungsmaßnahmen. Was dabei jedoch oft nicht berücksichtigt wird: 1,2 Milliarden Menschen auf der Erde leben noch gänzlich ohne Stromzugang. Stattdessen werden fossile Brennstoffe, wie bspw. Diesel oder Kerosin eingesetzt - selbstredend mit erheblichen Auswirkungen auf Natur und Gesellschaft. Unser Startup der Woche, SolarWorX, hat daher die Initiative ergriffen und reagiert auf diese Problemstellungen. Wie? Das erläutert uns CEO Felix Boldt im Interview.

Hallo Felix, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast! Wir freuen uns, heute mehr über SolarWorX zu erfahren. Deswegen starte ich auch direkt mit der ersten Frage: Wie würdest du euch in einem Satz vorstellen?

Wir bieten innovative Solarstromlösungen für 1.2 Milliarden Menschen ohne Stromzugang.

Ein sehr sozialer Ansatz. Könntest du da ein bisschen weiter ins Detail gehen? Wie ist eure Lösung bspw. technisch aufgebaut?

Unsere Solarstromlösungen richten sich an Menschen in Sub-Sahara Afrika, die fernab des öffentlichen Stromnetzes leben. Unsere Systeme lassen sich modular erweitern und sprechen mit unseren Kunden in lokalen Sprachen wie Suaheli und Wolof. Einzelne Anlagen können untereinander zu einem DC-Microgrid verbunden werden, wodurch Nachbarn Strom teilen und größere Verbraucher problemlos betrieben werden können. Unsere Produkte sind IoT integriert und lassen sich bequem über das Handyguthaben der Kunden in Raten bezahlen (PayGo). Wir nutzen sauberen Solarstrom, verwenden Kunststoffe auf Holzbasis für unsere Produktgehäuse und innovative Batterietechnologien ohne Verwendung seltener Erden.

Unternehmensvideo

Solarworx Imagefilm

Du hast gerade schon einige Aspekte aufgezählt, die eure Technologie und eure Mission auszeichnen. Schafft ihr darüber hinaus weitere Mehrwerte?

Wir haben unsere langjährige Erfahrung als Gründer im off-grid Solarsektor genutzt, um eine einzigartige, auf unsere Zielmärkte zugeschnittene Lösung zu entwickeln. Die Systeme können zum Betrieb von Haushaltsgeräten (Lampen, Fernseher, Kühlschrank) genutzt werden aber auch lokale Kleinbetriebe ohne Stromnetzzugang unterstützen. Im Vergleich zu Dieselgeneratoren und dem Anschluss an ein Stomnetz bieten wir eine kostengünstigere und ökologisch nachhaltige Alternative.

Der durch eure Anlagen produzierte Strom ist ja für den Endverbraucher gedacht. Ist euer Geschäftsmodell dementsprechend aufgebaut?

Nein, wir verfolgen da ein anderes Konzept. Aus unserer Erfahrung hat sich gezeigt, dass vertikal integrierte B2C Konzepte mit regionalem Fokus riskant sind und eine schnelle Skalierung verhindern. Wir vertreiben unsere Produkte daher auf B2B Basis an lokale, in den Zielmärkten (zurzeit West-Afrika) erfahrene Distributoren. Abgesehen davon bieten wir Beratungsleistungen für Distributoren, NGOs und weitere internationale Akteure an.

Verstehe. Zu Anfang hast du von 1,2 Milliarden Menschen gesprochen, die derzeit ohne Stromzugang leben. Welche Auswirkungen hat eine solche Lebensweise?

Genau, mehr als 1 Milliarde der ärmsten Menschen der Welt haben keinen Zugang zu Strom. 600 Millionen allein in Sub-Sahara Afrika. Die meisten von Ihnen nutzen fossile Brennstoffe, wie Kerosin für Licht und Diesel für Generatoren. Der fehlende Zugang zu einer sauberen und kostengünstigen Stromversorgung schränkt die Bildungschancen von Kindern ein, schädigt die Gesundheit von Familien und bietet nur sehr begrenzt Möglichkeiten Einkommen zu generieren. Diese Auswirkungen können dann natürlich gesellschaftlich und politisch weitergesponnen werden.

Ihr habt euch 2018 gegründet und seitdem schon einige Meilensteine bestritten. kannst du uns darüber etwas mehr erzählen?

Seit Ende 2018 testen wir unsere Solarstromsysteme in zwei Pilotprojekten mit insgesamt 250 Anlagen in Senegal und Kamerun. Die erste kommerzielle Produktion findet ab kommenden Monat statt. Parallel entwickeln wir zuzeit ein Microgrid-Modul, welches kommenden Herbst pilotiert wird. Wir konnten uns ein Seed-Investment von InnoEnergy sichern, diverse Zuschüsse und möchten nun Ende Juni unser Series-A Funding schließen. Für unsere Solar Home Systeme wurden wir u.a. mit dem "Digital Solar & Storage" Award ausgezeichnet und haben uns für die globale Finalrunde von "Empower a billion lives" von IEEE qualifiziert.

Vielen Dank für das spannende Interview, Felix. Wir finden euer Projekt klasse und wünschen euch auch weiterhin viel Erfolg! Um die Serienproduktion eurer Lösung und weitere Entwicklungen wie bspw. Lösungsgeschäfte für Micro-Grids und die Entwicklung und Sicherung von Q&A-Prozessen anzugehen, sucht ihr noch Investoren. Mehr dazu ist in eurem Energieloft Call zu finden.