Startup der Woche 29

Startup der Woche 29

15.07.2019 - 21.07.2019

ioki GmbH

Gründung 2018

ioki plant und realisiert On-Demand-Mobilitätskonzepte auf Basis einer Big Data basierten Analytics Lösung und einer eigens entwickelten Mobility as a Service Plattform, bestehend aus einer Nutzer wie Fahrer-App sowie Betreiber-Anwendung. ioki will sich insbesondere durch eine intelligente Integration von bestehenden ÖPNV-Angeboten von anderen Angeboten abheben.

Einleitung

Input, Output, künstliche Intelligenz - das sind die Komponenten, die den Namen unseres Startups der Woche bilden. ioki adressiert damit das Problem, dass vor allem ländliche Regionen, aber auch einzelne Bezirke von Großstädten nach wie vor schlecht an den ÖPNV angeschlossen sind. Doch wie können diese sogenannte "letze Meile" überbrückt und bestehende Mobilitätskonzepte innoviert werden? Wir haben uns mit iokis CEO, Michael Barillère-Scholz, getroffen und uns das ganze mal genau erklären lassen.

Hallo Michael. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast! Gibst du uns zu Beginn bitte einen kurzen Themeneinstieg?

Gerne! Unser Motto lautet: Mobilität für alle flexibel zugänglich machen – überall, jederzeit, egal ob in Metropolen oder auf dem Land und zwar ohne eigenes Auto.

Das klingt sehr spannend! Wie genau sieht denn das Konzept hinter diesem Motto aus?

ioki wurde als Teil der Digitalisierungsoffensive der Deutschen Bahn AG gegründet und ist Komplettdienstleister für digitale Mobilitätsformen auf der Straße und bietet dabei alle Services aus einer Hand: Wir stellen aufeinander abgestimmte Systembausteine, wie Plattform und App, fahrerbasierte und autonome Fahrzeugkonzepte oder Mobility Analytics bereit, die für unsere Kunden flexibel und individuell zusammengestellt werden können. So ermöglichen wir es Dritten, wie etwa Städten, Verkehrsunternehmen oder kommunalen Aufgabenträgern, neue Mobilitätsformen im öffentlichen Verkehr auch unter eigenem Namen und Design zu betreiben. Dabei geht es um zukunftsfähige Lösungen, die unsere Mobilität langfristig sichern, wirtschaftlich tragfähig und sozial ausgewogen sind und gleichzeitig die Umwelt schonen und letztlich die Lebensqualität erhöhen.

Unternehmensvideo

ioki – inspiring smart mobility

Neuartige Mobilitätskonzepte wie On-Demand-Ridesharing oder Carsharing Angebote sind bereits in einigen, hauptsächlich großen Städten etabliert. Wo siehst du denn in euren Leistungen den Vorteil, der euch von bisherigen Anbietern dieser Lösungen differenziert?

Als Bahntochter kommen wir aus dem Öffentlichen Verkehr und tragen durch Jahrzehntelange Erfahrung ÖPNV-DNA in uns. Unser Ziel ist es den ÖPNV nicht zu ersetzen, sondern sinnvoll zu ergänzen und den Verkehr durch ein integriertes, bedarfsgerechtes Mobilitätskonzept zu entlasten. Neben der On-Demand-Plattform kann unser Mobility-Analytics-Team mithilfe von Simulationen einsehen, wo, wann und wie sinnvoll es für Kunden wie Kommunen oder Verkehrsverbünde ist, Angebote in ihre Systeme zu implementieren.Es gibt nach wie vor viele ländliche Regionen, in denen die erste und letzte Meile nicht adäquat an den ÖPNV angeschlossen ist. Hier kommt ioki ins Spiel und evaluiert die Schnittstellen zum ÖPNV. Aber auch in Großstädten wie Hamburg gibt es schlecht angebundene Stadtteile, nämlich Lurup und Osdorf. Hier kann man mit dem ioki Hamburg Shuttle von der Haustür bis zur nächsten S-Bahn-Haltestelle zum HVV-Tarif befördert werden. Diese Integration in das örtliche Tarifsystem stellt ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal dar.

Du hast gerade angesprochen, dass ihr eure Leistungen in einem White Label Modell anbietet. Welche weiteren Aspekte integriert ihr in euer Geschäftsmodell und welche Services können Kunden da erwarten?

Du hast gerade angesprochen, dass ihr eure Leistungen in einem White Label Modell anbietet. Welche weiteren Aspekte integriert ihr in euer Geschäftsmodell und welche Services können Kunden da erwarten?

Als Kunden hast du bis jetzt Städte und Kommunen genannt. Könntest du noch einmal genauer auf die Zielgruppen eingehen, die ioki adressiert?

Als B2B bzw. B2G Marke und Tech-Enabler sind Städte, Kommunen und Verkehrsanbieter die relevantesten Stakeholder für ioki. Der klassische ÖPNV bildet somit eine wichtige Zielgruppe, aber auch im Rahmen von Unternehmen ergeben sich vielseitige Möglichkeiten der Mobilität. Ein Beispiel hierfür stellt unser Projekt in Kooperation mit DB Regio und dem Unternehmen Roche dar, das im März 2019 seinen Testbetrieb aufnahm. Hierfür testeten wir in Form eines Werkverkehrs für Roche-Mitarbeiter ein digital vernetztes Mobilitätskonzept zwischen Mannheim und Lampertheim. In einem weiteren Projekt mit DB Regio Bus können Reisende mit dem sogenannten “PAD Shuttle” in einem 10.000 qm großen Bediengebiet von und zum Paderborn-Lippstadt Airport gebracht werden. Auch hier handelt es sich um einen On-Demand-Service, der im April 2019 seinen sechsmonatigen Testbetrieb mit 20 Kleinbussen gestartet hat.Langfristig wird auch die Etablierung der Marke auf dem europäischen Markt angestrebt. So gab es beispielsweise im November 2018 den ersten internationalen Piloten: das Postbus Shuttle in Lustenau/Vorarlberg, in Zusammenarbeit mit der ÖBB-Postbus. Der Kernmarkt soll allerdings Deutschland bleiben.

Abschließend würde es uns noch interessieren, in welcher Entwicklungsphase ioki sich aktuell befindet und welche Ziele ihr zukünftig verfolgt. Auf welche Neuigkeiten können wir uns also gefasst machen?

Im Rahmen der Pilotprojekte kooperieren wir mit starken öffentlichen Partnern sowie etablierten Verkehrsunternehmen, mit denen in enger Zusammenarbeit zukunftsweisende Mobilitätsprojekte realisiert werden. So arbeiten wir beispielsweise mit der Stadt Wittlich, DB Regio Bus, der Rhein-Mosel-Verkehrsgesellschaft sowie den örtlichen Busreise- und Taxibetrieben daran, das Mobilitätsangebot in und um die rheinland-pfälzische Stadt Wittlich zu optimieren. Im Mai 2018 haben wir hier den bundesweit ersten, digital buchbaren Rufbus in den öffentlichen Personennahverkehr gebracht. In den ersten sechs Monaten nach dem Start konnte sogar ein Zuwachs an Fahrgästen von 400% nachgewiesen werden, was den Erfolg des Projekts unterstreicht.
Auch im autonomen Bereich nehmen wir eine Vorreiterrolle ein: Bereits 25.000 Passagiere wurden in dem ersten autonomen Linienbus in Bad Birnbach seit Oktober 2017 befördert. Auch unsere Hamburger Flotte, bestehend aus 20 elektrobetriebenen, und damit umweltschonenden ioki Shuttles, befördert täglich rund 200 Personen. Davon lässt sich etwa die Hälfte der Fahrgäste zu größeren ÖPNV-Haltestellen bringen. Aufgrund dieser positiven Resonanz wurde das Projekt um zwei Jahre verlängert. In diesem Jahr soll zudem noch ein neues Gebiet in Hamburg bedient werden: Billbrook. Dieses besteht zum Großteil aus einem Gewerbegebiet mit mehr als 1.000 ansässigen Betrieben und über 20.000 Beschäftigten. Mit dem Angebot von ioki Hamburg soll besonders für Berufspendler die erste und letzte Meile zum bestehenden ÖPNV überbrückt und die vorhandene Buslinie ergänzt werden.
Das nächste Ziel, das in den kommenden fünf Jahren angestrebt wird, beinhaltet die Einführung auf dem europäischen On-Demand-Markt als Technologie-Enabler für Kommunen, Städte, Verkehrs-(ÖPNV)-Anbieter und Unternehmen. Damit soll auch das Thema des individuellen Öffentlichen Verkehrs für Kunden, die Branche und den Mutterkonzern Deutsche Bahn weiter verbreitet werden. Der Kernmarkt soll allerdings weiterhin Deutschland bleiben.

Michael, vielen Dank für dieses überaus spannende Interview! Wir wünschen euch bei der Erreichung eurer Ziele viel Erfolg und weisen an dieser Stelle noch einmal auf euer EnergieLOFT Profil hin - dort können Interessenten sich weitere Informationen einholen.